Das Apple Tablet und der Adobe Reader – eine einzigartige Kombination voller unbekannter Möglichkeiten

Das kommende Apple Tablet wird ja seit einigen Tagen immer wieder heiss diskutiert. Ich möchte an dieser Stelle mal den Bogen zur ebenfalls aktuellen Paid Content-Diskussion spannen und auf einen “hidden champion” hinweisen: den Adobe Reader. Apple und Adobe sind ja schon seit Jahrzehnten gute Freunde und was läge da näher als diese Partnerschaft auf dem Apple Tablet in Richtung der Neuauflage eines iTMS wieder zu beleben.

Ich habe schon vor Jahren einem meiner Kunden vorgeschlagen, den Adobe Reader als Bibliotheks-Schnittstelle (z.B. für Fachinformationen und Datenblätter) zu nutzen. Bei der Recherche damals fiel mir die Fähigkeit auf, den Adobe Reader nicht nur zu customizen, sondern ihn auch scripten. Das heisst man kann nicht nur interaktive Dienste (wie z.B. Multiple-Choice-Tests mit darauffolgender Erstellung von PDF-Teilnahmebescheinigungen) umsetzen, sondern m.E. auch so etwas wie einen Text Store, d.h. einen Shop in dem man sich einfach und bequem Artikel und Bücher kaufen kann. Das eBook-Format ist ja bekannt, denkt man nun noch an die DRM-Fähigkeit, dann geht jedem Profi das Versioning-Herz über …

Texte leihen (d.h. nach 10 Tagen “vernichtet” sich das PDF) könnte so billig und bequem sein, denn einmal als User registriert liesse sich die ganze Bibliothek des Anbieters (das könnten auch öffentliche Anbieter sein – d.h. als Onleihe) nutzen und mit Kreditkarte per Download mit einem Mausklick bezahlen oder eine Flatrate einrichten. Man fragt sich angesichts dieser Konzepte, warum gerade Amazon mit dem Kindle so im Vordergrund steht, wo Adobe doch die viel besseren technischen Voraussetzungen mitbringt.

Die installed base des Adobe Reader ist extrem groß und würde es erlauben über alle Plattformen Content zu verkaufen. Das PDF Format ist inzwischen weit verbreitet und als intelligentes Dokument auch in Unternehmen angekommen. Eine Adobe Hardware Reader wäre sicher auch schnell entwickelt, nur würde Adobe dann den selben Weg wie Apple mit dem iPod/iPhone und dem iTMS beschreiten.

Das wäre unter Business-Aspekten keine schlechte Entscheidung, würde aber bedeuten, daß Adobe Contents und Verträge mit Contentanbietern machen müsste. Steve Jobs war mit Pixar da schon näher am Thema dran.

Apples Tablet wäre da natürlich als klassischer Kindle Konkurrent der richtige Partner. Doch vielleicht hat ja Steve bereits was in Richtung Texte und Bücher in der Hinterhand, der iTMS wäre schnell aufgebohrt und um eine Buchhandlung ergänzt (Hörbücher gibt’s ja schon bei Apple). Download-Formate für die Wiedergabe gibt es genug (Flash wird es im übrigen sicher nicht sein …).

Andererseits könnte Adobe mit einer eigenen Paid Content Strategie jeden PDF-Erzeuger zu einem Contentanbieter machen. Ob Business-Grafik oder Illustration, jedes PDF könnte so handelbar werden. Eine m.E. faszinierende Idee, denn das ist es doch wonach z.B. viele Verleger suchen. Ein kleiner Reiter mit “Adobe Store” in jedem Adobe Reader könnte der Einstieg in einer wundervolle Welt voller Bezahlinhalte sein …

P.S.: Was mich schon lange wundert ist, warum z.B. Focus nicht an einem Findle arbeitet und seine Inhalte und die anderer Anbieter an den Mann bringt …

3 thoughts on “Das Apple Tablet und der Adobe Reader – eine einzigartige Kombination voller unbekannter Möglichkeiten

  1. george says:

    Adobe und Apple gute Freunde ? Partnerschaft ? Das ich nicht lache..

    iPhone versus Flash lassen wir mal außen vor- da hätten wir noch eine ungeöffnete Mac API die den Flash Player auf dem Mac in Sachen Performance alt aussehen lässt. Es gibt die marktwirtschaftlich gesunden Fronten Lightroom, Aperture; Premiere, Final Cut Studio. Und nicht zu vergessen: die Apple.de Flash Aversion.

    Deren Affäre ist lange vorbei.

    Ach und zum Thema: PDF ist mittlerweile standardisiert und Adobe samt Reader umso entbehrlicher als lizenzgebender “Partner”, trotz Expertise.

    Sorry für den leicht gereizten Ton, die Schlagwörter DRM, Apple und Flash in Kombination sind nicht gerade positive Assoziationen.

    Grüße

    George

    Treuer Apple&Adobe Kunde

  2. Frank Huber says:

    Danke für die offenen Worte. Ja, Adobe und Apple waren mal gute Freunde. Klar, dass man nun viele konkurrierende Produkte hat. Warum Apple sich so verhält ist natürlich auch klar: man will mehr Umsätze mit Software machen und ist mit dem iTMS sehr erfolgreich.

    Ich komme halt aus dem DTP/CMS-Bereich und da sehnt man sich halt schon ein bißchen nach den guten alten Zeiten. Und schön, wenn jemand die Idee mit PDF auch so umsetzt. Allerdings wird er nie die kritische Masse haben, die Adobe sofort in die Wagschale werfen könnte.

    Dazu noch die alten Kundenbeziehungen aus dem Verlagsbereich und schon wäre man via Indesign, PDF und einem schicken Hardware Device wieder im Geschäft. Aber diesmal richtig und v.a. nachhaltig … denn Contents könnten die Software der Zukunft sein. Apple hat das schon vorgemacht mit DRM und ohne Flash. *g

  3. Allgemein werden Tablets das Jahr 2010 bestimmen. Sind die Vorteile, die du in deinem Artikel kurz ansprichst, erst einmal bei der breiten Masse angekommen, ist der Tipping Point nicht mehr weit. Leute werden auf Tablets ihre Zeitungen lesen und vieles mehr!

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