Googles Suchalgorithmus angeblich nicht neutral: Verleger legen Kartellamts-Beschwerde gegen Google ein

Die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger gehen beim Bundeskartellamt gegen Google vor. Der Vorwurf: Googles Suchalgorithmus sei nicht neutral und bevorzuge z.B. eigene Inhalte des Suchmaschinenkonzerns. Doch es geht auch um Erträge aus der Suchmaschinenvermarktung: dem Vernehmen nach kritisieren die Verlegerverbände, dass Google für die Anzeige der Suchtreffer, der sogenannten “Snippets”, den Verlagen nichts bezahlt.

Google als Parasit? Dem ist nicht so, denn Google sorgt ja nicht nur für enormen Traffic auf vielen Seiten, sondern zahlt auch aus:

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hatte von Google im Internet eine faire Suche und Beteiligung gefordert. “Wir wollen wissen, wie gelistet wird und warum welches Angebot oben in der Ergebnisliste steht, und wir wollen an den Werbeeinnahmen, die mit unseren aufwendig hergestellten Qualitätsinhalten generiert werden, beteiligt werden”, hatte ein BDZV-Referent Ende November 2009 in einem dpa-Gespräch gesagt. Google verdiene über Werbung, die bei einer normalen Suche neben den Ergebnissen platziert wird, in Deutschland rund 1,2 Milliarden Euro jährlich. Google-Sprecher Oberbeck wies darauf hin, dass der US-Internetkonzern 2009 weltweit 4,2 Milliarden Euro an Verleger gezahlt habe.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt aber: denn solange der Suchalgorithmus “closed source” ist, wird niemals jemand erfahren wie die Suchtrefferlisten bzw. SERPs erstellt werden. Desweiteren ist das Auktionsverfahren mit all seinen Parametern wie z.B. dem vieldiskutierten Quality Score ein Buch mit sieben Siegeln. Google hat hier die Macht die beim Kunden erzielbaren Höchstpreise voll auszuschöpfen und so seine Gewinne zu maximieren.

Dabei gibt Google nur einen sehr geringen Anteil seiner Umsätze an seine Content Partner ab. Man braucht nur in die entsprechenden SEC Statements zu sehen und sich den Posten TAC (Traffic Acquisition Costs) anzusehen. Geschätzte 30% gibt Google dafür aus – 70% behält das Unternehmen. Daher kommt auch die hohe Operating Marge von über 30%.

Zahlen von denen Verleger oft nur träumen können und die zeigen, welche Motivationen natürlich im Hintergrund immer mit in die Analyse einbezogen werden müssen. Eines ist sicherlich klar: Google wird in Zukunft nicht mehr so weitermachen können wie in der Vergangenheit und wenn das Unternehmen Pech hat, blüht ihm eine 2. Karriere Microsoft.

Noch ist es allerdings noch nicht so weit, aber man darf gespannt sein, welche Stellungnahmen des Bundeskartellamts nun folgt und ob ein förmliches Verfahren gegen Google eingeleitet wird.

5 thoughts on “Googles Suchalgorithmus angeblich nicht neutral: Verleger legen Kartellamts-Beschwerde gegen Google ein

  1. Im Prinzip kann ja jeder Verlag mit dem Tag noindex oder über die Robots.txt seine Seiten vor dem Google Bot sperren lassen.

    Aber eine Umsatzbeteiligung hört sich spannend an, fordere ich dann auch für meine Blogposts 😉

  2. Bernd says:

    Warren hat da recht – da kann ja fast jeder eine Umsatzbeteiligung einfordern, wenn so was erlaubt wird.

    Was ist denn mit den ganzen Preissuchmschinen, Testseiten etc. ? Die leben ja auch sicher von irgendwas und generieren Einnahmen – und das natürlich auch über Inhalte die “von wo anders her” kommen.

    Aber spannend wär es wenn google da wirklich seine Suchalgorithmen preisgeben müsste. Kann mir nicht vorstellen das so etwas je passiert.

  3. >”…Ein bitterer Beigeschmack bleibt aber: denn solange der Suchalgorithmus “closed source” ist, wird niemals jemand erfahren wie die Suchtrefferlisten bzw. SERPs erstellt werden. Desweiteren ist das Auktionsverfahren mit all seinen Parametern wie z.B. dem vieldiskutierten Quality Score ein Buch mit sieben Siegeln. Google hat hier die Macht die beim Kunden erzielbaren Höchstpreise voll auszuschöpfen und so seine Gewinne zu maximieren…”

    Hmmm.. Dann sollte Google also das Rankingverfahren offen legen? BMW seine neuesten Motorentechnologien publizieren, Coca Cola die Formel in Foren posten…? Diese Forderung, dass ein privatwirtschaftliches Unternehmen essentielle (!) Betriebsgeheimnisse offenbaren soll/muss, scheint mir doch mehr als weltfremd.

    Und dass der Qualityscore ein Buch mit sieben Siegeln ist, mag für jene gelten, die sich nicht im Mindesten damit beschäftigen. Die wichtigsten Faktoren sind schon lange bekannt und können (fast) überall nachgelesen werden. Google verlangt ebenso keine überhöhten Preise für Adwords. Die Werbetreibenden legen diesen Preis über das Maximalgebot selber fest. Der Qualityscore sorgt im Gegenteil (!) dafür, dass nicht nur Geld den Ausschlag gibt. Durch ihn werden die Positionen eben nicht (!) einfach an den Höchstbietenden versteigert und der Gewinn maximiert. Vielmehr stehen die Anzeigen oben, die mit Intelligenz geschalten werden.

    Auch dass Google nur einen geringen Teil der Werbeeinnahmen auf Partnerseiten auszahlt, stimmt nicht. Einfach mal in die Bilanz schauen und sehen, dass es um die 70% sind, die ausgeschüttet werden. Der Großteil geht also an die Seitenbetreiber (also auch an die Verlage!). Der Sinn des Blogbeitrags verschließt sich mir leider – die meisten Aussagen sind wirklich schlicht falsch. Normalerweise streuen nur Verlage solche Unwahrheiten. Warum hier?

  4. Hier http://www.website-boosting.de/blog/2009-10-15/manipuliert-google-suchergebnisse.html wird übrigens schon seit Okt. darüber diskutiert. Es gibt noch nicht mal annähernd nachvollziehbare Hinweise für eine Manipulation (außer von unbelehrbaren Verschwörungstheoretikern)… 😉

  5. Frank Huber says:

    Danke, Mario Fischer für das Feedback. Die Frage: “Hat denn jemand begründete (!) und nachvollziehbare(!) Hinweise darauf, dass Google die Suchergebnisse zugunsten zahlender Adwordskunden manipuliert?” ist falsch gestellt. Es geht darum, dass Google eigene Inhalte bevorzugt (Bsp.: Youtube) und die der Verleger benachteiligt. Schon mangels Transparenz in Sachen Suchalgo kann aus logischen Gründen von Google nicht das Gegenteil bewiesen werden. Als SEOler und kompetenter Berater wie Mario Fischer weiß man so sicher einiges mehr doch vielleicht spricht auch hier der Volkswirt, der Google als marktbeherrschenden Monopolisten etwas kritischer beäugt wie der Betriebswirt der verständlicherweise auf die einzelwirtschaftliche Sichtweise und deren Aspekte pocht. Und was die Ausschüttung angeht, so ist die “Abrechnung” eines Verlegers mit Google auf der DLD 2010 vielleicht ganz aufschlussreich: http://bit.ly/aoHWtt

    Ich bin der Meinung Google kann keine Lösung sein und habe auch schon lange dafür votiert (siehe http://bit.ly/9AZzjW ), dass sich die deutschen Verlage endlich zeitgemäß strategisch aufstellen und sich die Logik Googles zueigen machen – denn sie haben letztendlich den Content mit dem Google Geld verdient. Warum also andere verdienen lassen, wenn man selbst die Gewinne Googles machen könnte?

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