Das Internetgeschäft der Deutschen Telekom: Commodity Business oder Goldgrube der Zukunft?

Das Internetgeschäft der Deutschen Telekom war Thema einer Veranstaltung in Darmstadt zu der mich das Unternehmen eingeladen hatte. Zunächst einmal war es schwer den Veranstaltungsort zu finden: der Campus der Telekom in Darmstadt ist riesig und die Zahl der dort arbeitenden Telekom-Ingenieure beeindruckend.

Spannend wurde es als uns die verschiedenen Bereiche des Telekom-Engagements im Internet vorgestellt wurden. Von der Scout4-Gruppe, über Tvister bis zu Polylooks reicht die Palette der Unternehmen. Dazu kommen die klassischen Reichweitenportale des Unternehmens, T-Pay und andere weniger bekannte Unternehmensbereiche wie die T-Labs und T-Ventures.

Nach der Präsentation kam es zu einer anregenden Diskussion in der leider nur wenig Zahlen genannt wurden. Man gibt sich wachstumsstark, die Profitabilität und die Gewinnbeiträge der einzelnen Units bleiben aber leider ungenannt. Eigentlich schade. Denn es drängt sich im Kern der Verdacht auf, dass bisher durch Zukäufe und anorganisches Wachstum zwar viel Umsatz gewonnen wurde, aber die Gewinne nicht die Verluste im Stammgeschäft kompensieren können.

Hier stellt sich sowieso die Frage, wie ein der Netzneutralität verpflichteter Anbieter in einem Commodity Business eine angemessene Marge erwirtschaften will. Konkret: die Telekom muss zusehen, wie US-Unternehmen wie Google, eBay, Amazon und viele mehr Milliardengewinne erwirtschaften, während im Providinggeschäft ein hemmungsloser Preiswettbewerb entbrannt ist, der die Margen wie Schnee in der Sonne schmilzen lässt.

Datenflatrates sind dabei der Alptraum eines jeden Providers, der den ARPU seiner immer wechselbereiteren Kunden kaum steigern können wird und nur noch im Verdrängungswettbewerb sein Glück versuchen kann. Ein ziemlich düstere Vision, aber der Aktienkurs der Deutschen Telekom spricht Bände. Alle Zukunftsvisionen haben sich bisher nicht materialisiert – und andere haben die Service-Schicht auf dem Netz für sich besetzt.

Der einstige Wunschgedanke an jedem Bit oder Byte mitzuverdienen ist einem Realismus gewichen, der heisst “Wachsen oder Weichen”. Was dem Internetgeschäft der Deutschen Telekom dabei fehlt sind nicht die Ingenieure, sondern bahnbrechende Innovationen. Es ist mir kein Produkt oder Service der Telekom bekannt, der Kultstatus hat – selbst das iPhone ist “gekauft” und eine Idee von Apples Vordenker Steve Jobs.

Derartige Visionäre bräuchte die Telekom. Doch dazu bedarf es einer entsprechenden Innovationskultur. Hier müsste sich der Konzern Telekom aber quasi selbst überholen. Denn das Personal an Bord ist im FTZ (Fernmeldetechnikzentrum) groß geworden und nicht im Xerox Parc. Natürlich kann man das niemand zum Vorwurf machen – aber es weht kein Start-up spirit mit gehisster Piratenflagge durch die T-xy-Alleen in Darmstadt.

Hier fehlen die wirklich offenen Labs, eine Spin-off-Kultur und ein Revolution von innen. Doch dazu müsste man erst mal wissen, wohin man will. Das IPTV Business ist z.B. sicher ausbaufähig. Denn es sind die Dienste, die das Geld machen. Filme leihen statt kaufen. Daneben gilt es neue Services aufzubauen und Qualitätsmerkmale wie z.B. Qualität der Verbindung entsprechend zu kommunizieren. Es gilt die Geschäftsmodelle der Zukunft zu erkennen und entsprechende Soft- und Hardware sowie eine Palette von Services auf dem Netz zu entwickeln.

Mit der Verschmelzung von Festnetz und Mobilfunk reagiert die Telekom auf den Umbruch in der Branche sowie auf den Druck der Wettbewerber. Angesichts des Preiskampfes bei DSL-Anschlüssen sowie des nahezu gesättigten Mobilfunkmarktes gelten kombinierte Angebote aus Webzugang, Telefonie und Internetfernsehen (IPTV) zwar als Wachstumsfeld, die Hype-verdächtigen Anwendungen fehlen aber noch.

Ein Grund mehr vielleicht für den Rosa Riesen auf neue Ideen und Konzepte zu setzen und diese auch “von oben” stärker voranzutreiben. Konkrete Maßnahmen wie z.B. das Sponsoring von BarCamps, Seiten wie betabuzz oder das Trainee-Programm “Start up!” und Events wie Palomar5 machen deutlich wie wichtig Innovation und neue Ideen für die Deutsche Telekom sind.

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