Apples iPad – die Rettung für deutsche Verlage?

Apples iPad hat ein riesiges Presse-Echo hervorgerufen, auch bei deutschen Verlagen. Doch ist das iPad wirklich ein neuer Vertriebskanal in Sachen Paid Content und der lang ersehnter Umsatzbringer? Das größte “Problem”: das iPad integriert einen Web-Browser, E-Mail, Fernsehen und Video sowie das Lesen von digitalen Büchern, den E-Books. Wie leicht es ist, die Bezahlschranke zu umgehen und Paid Content kostenlos zu beziehen, hatte ich ja schon mal auf Facebook erwähnt.

Technisch besteht also kein besonders hohes Lock-in-Potenzial, da v.a. auch Google Books und andere Angebote auf dem iPad verfügbar sein werden, von den News-Seiten vieler Portale und Player mal ganz zu schweigen. Für Verlage sehe ich also wenig Potenzial – denn zu groß ist die Konkurrenz durch das Internet auf dem iPad. Doch Steve Jobs hat wie bekannt immer einen Joker in der Hinterhand und das ist sein Marketing Know-How in Sachen digitaler Güter.

Denn ähnlich wie der Musik-Shop iTunes startet Apple mit dem iPad auch einen eigenen Shop für digitale Bücher, den iBook Store. Dafür wurden zunächst fünf große Verlagsgruppen als Partner gewonnen, darunter Penguin und Hachette. Im Unterschied zu Amazons Kindle nutzt Apple den verbreiteten EPUB-Standard, der auch von Sony und anderen Herstellern genutzt wird:

Auf EPUB basierende E-Books erlauben eine dynamische Anpassung des Textes an die jeweilige Bildschirmgröße des Lesers und eignen sich damit insbesondere für die Ausgabe auf Mobile Devices. Im Gegensatz dazu wird beispielsweise der Text bei PDF wie im gedruckten Buch angezeigt. Bei kleinen Ausgabegeräten kann eine derartige Darstellung jedoch für den Leser unbefriedigend sein, falls er bei einer individuell angenehmen Anzeigegröße des Textes häufig hin- und herscrollen muss. (Quelle: Wikipedia)

Ausserdem unterstützt der von Apple genutzte EPUB-Standard auch DRM-Mechanismen, so dass z.B. auch die Onleihe, bzw. die Bücherausleihe für bestimmte Zeiträume (zu reduzierten Preisen) möglich wird. Der Monetarisierung und Versionierung steht hier also nichts mehr im Wege – aber nur wenn Sie mit oder über Apple erfolgt, denn es fehlt bei Apple iPad Format die Interoperabilität wie Adobe beklagt:

For example, EPUB content protected with Apple DRM won’t work on numerous eReaders like the Barnes & Noble nook and the Sony Reader, not to mention future, forthcoming models. Similarly, protected EPUB eBooks obtained from thousands of online booksellers (including Barnes & Noble) and most public libraries (including The New York Public Library)—are unreadable on the iPad.

Schade, denn Adobe hätte mit InDesign ja genau die Tools, die Publisher für die Erstellung der EPUB-Daten nutzen – wenn da nicht Apples DRM-Haken bei der Sache wäre.

Die Frage allerdings auch, ob sich die mit einem DTP-Programm erstellten Inhalte (wie z.B. News) in unveränderter Form einfach wie in der Print-Welt gewohnt monetarisieren lassen werden. Das bezweifle ich, denn die guten alten Zeiten, in denen eine (dpa) News in nahezu unendlich vielen Mantelteilen regionaler und überregionaler Zeitungen einzelnen Lesern verkaufen konnte, sind zum Leidwesen vieler Verleger leider vorbei. Einmal im Web publiziert – schon ist die News wertlos. Der erste gewinnt bei Google News, der Rest ist und bleibt duplicate content und fliegt aus dem Index.

Im Umkehrschluß heisst dies: News darf man nicht zum Commodity verkommen lassen, sondern muss kräftig differenzieren und neue, exklusive News-Angebote schaffen. Interaktive, mit Videos angereicherte Magazine als Demos zeigen, wo es hingehen kann. Neue, Flash-basierte eZines werden beschworen – allerdings dürfte dabei entscheidend sein, ob das iPad Flash überhaupt unterstützt. Das iPhone unterstützt Flash zum Verdruss vieler Anwender und Publisher bis zum heutigen Tage nicht. Das ist ein Problem für innovative Verlage wie Condé Nast, die schon am liebsten morgen Magazine wie Wired auf allen verfügbaren Tablets an den Start bringen würden:

Adobe says its new reader software will run using its AIR platform, which works on multiple operating systems, including Apple’s desktop system. But neither AIR nor Adobe’s flash software works on Apple’s iPhone, so if the new mystery device runs on that operating system, there’s a problem. I’m following up with Adobe to see what it has to say. UPDATE: Here’s Adobe’s response.]

Man orientiert sich bei der Konzeption der iPad Inhalte dabei mehr oder minder an existierenden iPhone Apps:

Like the iPhone version of GQ’s December issue, Condé says its tablet magazines will feature the same content found in the print versions, including original advertising, with the ability to view pages in their original form or in formats designed specifically for the device. They will also import multimedia content, like videos, and offer the ability to synch up with social networks and other Web sites.

Das Modell zur Monetarisierung steht auch schon – man bezahlt pro Ausgabe und auch Werbung soll wie in Print angeboten werden:

The company intends to charge readers for each title, and it plans to convince the Audit Bureau of Circulations, the magazine industry’s standards board, that its online sales are equivalent to newsstand sales. That will allow Condé to charge advertisers the same rate as for print ads.

Alles in allem also keine wirklich grossen Neuerungen – und eine grosse Frage bleibt: Werden die Nutzer für Inhalte auf dem iPad bezahlen, obwohl sie über den mitgelieferten Webbrowser vermutlich zahllose News-Kanäle gratis nutzen können werden und es auch sonst jede Menge Umgehungsmöglichkeiten gibt? Die Chancen dafür stehen nach den bisherigen Erfahrungen sehr schlecht – es sei denn Sie produzieren wirklich für jeden Nutzer einzigartige Inhalte und eben keine Massenware (“commodity news”). Es gibt bereits jetzt viele funktionierende Ansätze, die zeigen, wie man mit diesen neuen Anforderungen umzugehen hat, die Stiftung Warentest ist nur eines von vielen Beispielen dafür.

3 thoughts on “Apples iPad – die Rettung für deutsche Verlage?

  1. BuzzEins says:

    wir werden wohl niemals Flash/Flex/AIR auf dem iP**** erleben, ebenso wenig wie Silverlight oder JavaFX. Andernfalls würde Apple freiwillig ihr ***Store-Konzept bedrohen…

  2. BuzzZwo says:

    IBook hin oder her. Nach einen langen Arbeitstag geht nichts über ein gutes Buch. Ehrlich gesagt bin ich froh, wenn ich nicht mehr die Flimmerkiste abends sehen muss.

  3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das iPad eine Rettung darstellen kann, ich zumindest, finde es nicht sehr spektakulär. Aber ich interessier mich eh mehr für WordPress und solche Sachen als für Apple Produkte.

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