Was tun mit Google?

Google ist inzwischen einer der wichtigsten privaten Infrastrukturanbieter in unserer Wissensgesellschaft. Googles Suchmaschine ist mit seinem überragenden Marktanteil der zentrale Startpunkt für viele Internetnutzer und deren Suche nach Information. Google stellt mit seinem für den Nutzer kostenlosen Suchservice den Zugang zu Informationen sicher, die in vielen Fällen vielleicht nie gefunden worden wären und lebt von den Werbeeinnahmen aus Werbeanzeigen, die passend zu den Suchbegriffen geschaltet werden können. Google bedient sich dabei eines äußerst cleveren Auktionsverfahrens.

Die Verbindung von Informationssuche und Werbemonetarisierung und die Monopolstellung von Google sind die Ursache heftiger Debatten, die unter anderem nun die EU-Kommission auf den Plan gerufen haben. Internet-Firmen aus Frankreich und Großbritannien werfen dem Suchmaschinen-Konzern z.B. vor, sie beim Ranking zu benachteiligen. Sollte sich dieser Vorwurf als wahr erweisen und Google u.a. eigene Dienste bevorzugt angezeigt haben in den Suchergebnissen, so wäre dies ein potenzieller Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht.

Die Kernfrage lautet: Was tun mit Google? Dabei ist zunächst mal zu betrachten, was potenziell möglich wäre. Das ist zunächst der Vorwurf der Manipulation der Suchergebnisse. Dieser Vorwurf ist sehr ernst zu nehmen und ruft nach staatlicher Kontrolle durch die entsprechenden Wettbewerbsbehörden. Dazu kommt die marktbeherrschende Stellung, die v.a. den Markt für kontext-sensitive Textanzeigen betrifft. Da sich kein ernstzunehmender Mitbewerber bisher etablieren konnte, wird Google in dieser Hinsicht weiter unangefochten den Markt beherrschen.

Die Nutzung fremder Inhalte wird auch das geplante Leistungsschutzrecht nicht verhindern können – denn das käme einem Verlinkungsverbot gleich und würde die Idee eines global vernetzten Mediums wie dem Internet nicht gerecht. Verleger werden also auch in Zukunft zusehen müssen, wie Ihnen Google die Inhalte und Werbekunden wegschnappt. Die daraus entstehenden Gewinne werden auch in Zukunft zu weiten Teilen in den USA versteuert werden.

Es fragt sich, ob angesichts dieser negativen Auswirkungen nicht Grundlegendes an der Struktur von Google geändert werden müsste. Denkbar wäre die Trennung von Google in einen Suchmaschinen-Bereich und einen Werbebereich. Der Suchmaschinen-Bereich sollte auch durch Einbeziehung externer Personen über einen objektiven Index und Algorithmus wachen (Vorschlag der Einrichtung einer gemeinnützigen Google Foundation) – ggf. könnte man diese im Sinne einer Telekom-Regulierungsbehörde bzw. der Bundesnetzagentur sogar von staatlicher Seite aus überwachen. Diese Bundessuchmaschinenagentur könnte wiederum eine offene Google-API für alle nicht-kommerziellen Anwendungen als Vorschrift erlassen. Die werbliche Nutzung des Index würde vollkommen frei erfolgen.

Aus Sicht eines Volkswirts ist natürlich auch die Frage interessant, ob man Google ähnlich wie früher die Telekom- oder Bahnmonopole nicht verstaatlichen müsste. Denn Google ist so etwas wie ein riesiger Infobahnbetreiber, der alle Schilder liefert und so Traffic und Nutzer willkürlich und vollkommen intransparent in irgendwelche Richtungen lenken kann. Die Regulierung der uns bekannten, traditionellen Netzwerkanbieter geschieht heute nicht mehr im Rahmen einer Verstaatlichung sondern oft in der Trennung von Netz und Betrieb. Dieser Idee folgt mein Vorschlag der Trennung von Index und Werbemonetarisierung – vielleicht würde sich Google als Netzbetreiber sogar besser stellen, wenn  sich das Unternehmen zu einer Ausschreibung um die kommerzielle Nutzung des Index durch konkurrierende Unternehmen und Konzepte durchringen würde.

Alles in allem sehr spannende Fragen, die ich gerne mit euch diskutieren würde.

One thought on “Was tun mit Google?

  1. Ich hoffe das andere Suchmaschinen von Yahoo und Bing bald mehr Marktanteile bekommen da sonst viel zu viel von einem Informations-Provider abhängt. Ich denke dies ist echt ein Risiko.

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