Hubert Burda zu Google Adwords/Adsense: "Wir waren beknackt und bescheuert, wir haben davon nichts verstanden."

Hubert Burdas späte Erkenntnis zu Googles Adwords/Adsense-System liest sich drastisch: “Wir waren beknackt und bescheuert, wir haben davon nichts verstanden.” Als Grundfehler bezeichnete es der Verleger im Online-Magazin MEEDIA, dass die Printhäuser sich auf das Währungsmodell von Google eingelassen haben. Und ich füge hinzu: und jahrelang nichts von Google gelernt haben.

Auch heute ist Burda leider nicht weiter. Denn der Ruf nach dem Staat und der Politik, in Form eines Leistungsschutzrecht die Machtverhältnisse rund um das Commodity “News” zu ändern, wird Google wahrscheinlich sehr wenig interessieren. Stattdessen überlegt man sich lieber im fernen Kalifornien kein Geld mehr für ein DLD-Sponsoring in die Hand zu nehmen und so den Liebesentzug zu verdeutlichen.

Doch was tun in der globalen, vernetzten Wissensgesellschaft und Web 2.0-Welt mit ihren neuen Gesetzen – hilft es da, den Mond anzuheulen? Ich sage schon seit Jahr und Tag: Nein. Google ist nur so lange Google und mächtig, solange Google den Wettbewerb unter den Verlegern geschickt ausnutzen und den einzelnen isolieren und mit “lousy pennies” abspeisen kann.

Ich hatte den lieben Hubert, den ich aufgrund seiner Bildung, seiner Großzügigkeit und Intelligenz eigentlich sehr schätze, für ein badisches Cleverle gehalten. Denn bereits vor geraumer Zeit, hatte ich gezeigt wie man Google schlagen kann (Projekt DAVID: so setzt man Google in vier Zügen schachmatt). Als VDZ-Präsident bringt man für ein derartiges Projekt die besten Voraussetzungen mit – noch fehlt es aber scheinbar an Know-How und dem Willen in kooperativen Strukturen zu denken.

Denn alleine wird Google niemand schlagen. Wir sind das (Content-)Volk, muss der Schlachtruf lauten! Denn wenn jeder alleine versucht, in einem Race to the bottom noch schneller seine Headlines bei Google News kostenlos als Köder zu posten, dann wird jeder einzelne auch einzeln kapitulieren müssen. Nur gemeinsam sind die Verleger, Autoren und Kreativen stark.

Hubert Burda braucht also nur die richtigen Schritte zu tun – Murdoch hat übrigens den Mumm und ist schon mal vorausgegangen. Leider allein, daher hat er auch 90% seiner Besucher verloren. Damit es den deutschen Verlegern nicht so geht, müssen sie gemeinsam handeln. Die dpa auf der Leistungserstellungsseite war so ein Modell, warum nicht auf der Verwertungsseite auch kooperieren? Besondere Umstände erfordern eben besondere Maßnahmen.

Denn es geht um nichts geringeres als um die Zukunft unserer Medienlandschaft, um Medienvielfalt und -kultur und vor allem um den Qualitätsjournalismus und die damit verbundenen Arbeitsplätze. Wir brauchen unabhängige Medien und eine private Presse – denn sonst fehlt in unserer Demokratie etwas. Google trägt zu diesem Gemeinwesen so gut wie nichts bei – der geliehene Content dient dazu, hohe Quartalsgewinne in den USA zu erwirtschaften, die dort besteuert werden. Das muss auch einmal ganz deutlich gesagt werden.

Wir müssen also ein vitales Interesse daran haben, Googles Erfolg zu analysieren, seine Prinzipien zu verinnerlichen und diese Erkenntnisse dafür zu nutzen, Google mit den eigenen Waffen zu schlagen. “Google kann jedes Ihrer Geschäfte selbst betreiben, wenn die es wollen.” Es steht jedem frei, das Geschäft von Google zu betreiben, denn es ist nur ein Vermittlergeschäft zwischen Werbetreibenden, Inhalteanbietern und Endkonsumenten. Es ist keine Raketenwissenschaft und es ist nicht gottgegeben, dass nur Google dieses Geschäft machen kann.

Doch man braucht genügend Know-How, die kritische Masse und Mut, gemeinsam die Machtverhältnisse im Rahmen einer friedlichen Revolution zu verändern. Denn das wichtigste, die Ressourcen, befinden sich im Besitz der Verlage. So gesehen handelt es also nicht um ein physisches, sondern um ein psychisches Problem der Angst. Die wird als “german angst” ja immer wieder selbst in den USA zitiert. Doch Angst ist kein guter Ratgeber, wie wir alle wissen.

In diesem Sinne: ich würde Hubert gerne mal wieder treffen und im meine vier Schritte detalliert darlegen, denn so kann und wird es nicht weitergehen.

2 thoughts on “Hubert Burda zu Google Adwords/Adsense: "Wir waren beknackt und bescheuert, wir haben davon nichts verstanden."

  1. Solange Verlage glauben, Meldungen von Nachrichtenagenturen verkaufen zu können, die gegenüber freizugänglichen Alternativen kein Mehrwert bieten, solange werden nur treudoofe Kunden bereit sein, dafür etwas zu bezahlen.

    Google hat in den letzten Jahren viel dafür getan, zu einem Arbeitgeber zu werden, der gerade für kreative Köpfe besonders attraktiv ist. Verlage hingegen haben in derselben Zeit eher die Leute rausgeschmissen.

  2. Frank Huber says:

    Ja, Google hat in den letzten Jahren viel dafür getan, zu einem Arbeitgeber zu werden, der gerade für kreative Köpfe besonders attraktiv ist. Denn Google hat einen einzigartigen Suchalgo entwickelt und ein Geschäftsmodell von Overture weiterentwickelt bzw. übernommen und perfektioniert. Währenddessen haben viele Verleger gedacht, das Print-Anzeigen-Geschäftsmodell 1:1 ins Web übernehmen zu können. Jetzt ist ihre Existenz bedroht und wenn Sie nicht in Content-ferne Geschäftsfelder wie eCommerce oder B2B Social Networks investiert hätten, wären sie schon Geschichte. Der Ruf nach einem Leistungsschutzrecht muss jedem vollkommen anachronistisch vorkommen – klar, daß innvative Köpfe sich da schnell andere Arbeitgeber suchen in unserer globalen Welt.

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