Das iPad als Retter der Verlage?

Der Erfolg des iPads und des iTunes Stores wird von vielen Verlagen als Hoffnungsschimmer betrachtet. Tablets und Smartphones ermöglichen der Nachrichtenindustrie einen zweiten Versuch, so US-Medienexperte Ken Doctor. Doch ist das iPad der Retter der Verlage? Wird in Zukunft jeder Nutzer brav seine iPad-only Tageszeitung konsumieren? Ich denke nein. Denn dann müsste zunächst ganz praktisch das Einfallstor für kostenlose Inhalte, der Safari Browser vom iPad verschwinden. Noch ist das Web nicht tot, und noch kann man auch in HTML5 und mit CSS sehr attraktive iPad Webapps (wie z.B. DIE ZEIT) realisieren.

Abgesehen von diesen technischen Details, macht es auch wenig Sinn für Verleger, sich in die Arme eines einzelnen Anbieters zu stürzen. Das Beispiel IBM/Microsoft scheint schon vergessen zu sein. Apple bietet für 30% Umsatzbeteiligung zwar eine entsprechende Geschäftsgrundlage, doch wer sagt, daß diese in Zukunft so bleiben muss. Zu welchen Preisdiktaten Steve Jobs fähig ist, musste schon die Musikindustrie am eigenen Leib erfahren. Anyway, das eigentliche Problem liegt nämlich am Produkt, den News.

Verlage haben bis heute scheinbar nicht begriffen, dass Nachrichten zunehmend zum Commodity geworden sind, mit denen sich kein Geld mehr verdienen lässt. Betrachtet man die Mächtigkeit der Software-Anwendungen und Smartphones heute, so ist es auch geradezu lächerlich diese Kleinstrechner mit der Anzeige von Bleiwüsten und ein paar Bildern zu beschäftigen. Stellen Sie sich vor, sie wären ein Smartphone – dann würden Sie sicher gerne eine Game-Konsole, ein Navigationssystem oder irgend etwas anderes sein, als ein Blatt Papier bzw. totes Stück Baum.

Heutzutage sind “lebende Dokumente” und interaktive Anwendungen gefragt, die Menschen mit ihren neuen Bedürfnissen helfen, sich in einem immer komplexeren Alltag zurechtzufinden. Dabei müssen gerade die iPhone- oder iPad-Rechner mit smarten Apps immer mehr Aufgaben übernehmen und Erlebnisse oder einen Nutzwert bieten, den eben Print nicht bieten kann. Kein Wunder, dass die Bestseller im iTunes Store Games sind. Hier werden inzwischen Millionen umgesetzt. Die Spielehersteller sind übrigens diejenigen, von denen die Verleger am meisten lernen können. Sei es virtual items, virtuelle Währungen oder Zahlmitgliedschaften – Gamesanbieter haben ein Geschäftsmodell. Das funktioniert teilweise so gut, dass die monatlichen Umsätze der User begrenzt werden müssen.

Insofern ist das iPad der Retter der Verlage – aber nur, wenn sie lernfähig genug sind und nicht noch einen dritten Versuch brauchen. Für den werden nämlich die meisten von ihnen schlichtweg keine Ressourcen mehr haben.

One thought on “Das iPad als Retter der Verlage?

  1. Adrian says:

    Nicht nur das Web ist nicht tod, sondern auch die Druckbranche nicht. So schnell wird sich das alles nicht ändern.

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