Wer nutzt eigentlich Facebook? Nutzerzahlen für Deutschland (Februar 2016)

Facebook ist in aller Munde, leider gibt es aber zu den Nutzerzahlen keine objektiv ermittelten Nutzerzahlen, wie man sie von der IVW kennt. Daher sind wir auf die (nur sporadisch erfolgenden) Angaben des sozialen Netzwerks angewiesen. Im Februar 2016 war es mal wieder soweit: Facebook hat anlässlich der Eröffnung des neuen Büros in Berlin ein Update zu den offiziellen Facebook Nutzerzahlen für Deutschland veröffentlicht.

Demnach nutzen 28 Millionen Menschen Facebook in Deutschland aktiv, 21 Millionen davon jeden Tag. 24 Millionen Menschen nutzen Facebook mobil, das sind 85% – dies zeigt wie dominant inzwischen die Smartphone-Nutzung geworden ist. 19 Millionen davon sind jeden Tag auf Facebook aktiv, das sind 27% mehr als noch ein Jahr zuvor.

Aktiv bedeutet dabei für Facebook das ein Nutzer sich mindestens einmal in den letzten Tagen angemeldet hat.

Weitere offizielle Zahlen zur Nutzung von Facebook enthält der Börsenbericht. Ende Januar 2016 gab es dort die ersten Facebook Nutzerzahlen für das Jahr 2016, inklusive Umsatz und weiteren Kennzahlen.

Besonders (potenzielle) Werbe-Kunden werden diese Werte bei Veröffentlichungen in Zukunft sicher im Auge behalten, da ein Rückgang der Nutzerzahlen auch eine Argumentationsgrundlage für oder gegen Werbung auf Facebook darstellt.

Scott Woods, Facebook Commercial Director DACH wird in der Pressemeldung dazu wie folgt  zitiert:

„Wir glauben, dass Marken und Unternehmen anders darüber nachdenken sollten, wie Menschen mit Facebook agieren – vor allem mobil. Viele Leute fokussieren sich monatlich auf aktive Nutzer oder gar registrierte Nutzer, um ihre Größe und Reichweite aufzuzeigen. Wir glauben, dies ist keine zeitgemäße Art mehr, auf die Welt der Medien zu blicken. Zu verstehen, wer monatlich zurückkehrt, ist nur ein Aspekt. Stattdessen sollten sich Unternehmen auf die Menschen konzentrieren, die jeden Tag online wiederkehren.“

Gerade jüngere Zielgruppen scheinen verstärkt Facebook den Rücken zu kehren. Britische Forscher vom University College London zeigen in ihrer Global Social Media Impact Studie, daß Facebook bei 16-18 Jährigen UK-Nutzern „basically dead and buried“, ja es ist ihnen sogar peinlich sei, mit Facebook in Verbindung gebracht zu werden. In Deutschland äußert sich dies unter anderem auch in der Nutzungsweise von Facebook und Co.

Einer Studie der Gesellschaft für integrierte Kommunikationsforschung (GIK) zufolge nutzen 60% der Befragten Facebook nie. Bei Twitter sind es sogar fast 90%. Michael Kroker spricht in diesem Zusammenhang von „Entwicklungsland Deutschland“. Klingt im ersten Moment wie eine Menge nicht aktiver User, ist aber mit Blick auf die offiziellen Angaben (bei ca. 82 Mio Bundesbürgern gibt es rund 54 Mio Onliner in Deutschland und davon ca. 28 Mio aktive Facebook-Nutzer) in der Größenordnung auch zu erwarten.

In Sachen Coolness führen bei den jüngeren Zielgruppen Dienste wie Instagram oder WhatsApp, denen sich die User nun vermehrt zuwenden. Heike Simmet sieht hier den Wunsch der Nutzer nach mehr Personalisierung. Die Abkehr von der „sozialen Massenkommunikation“ auf Facebook, hin zu sehr viel persönlicheren Kontakten auf WhatsApp, Snapchat und Co. Personalisierung als neuer Erfolgsfaktor in der digitalen Kommunikation. Es ist zwar strittig, wie neu dieser Erfolgsfaktor nun ist und ob es sich dabei nicht eigentlich um eine Rückkehr zu ähnlichen Wirkmechanismen handelt, wie sie SMS und MMS schon lange bedienen (nur mit dem Vorteil, dass sie kostenlos und flexibler sind).

So wie man beim Smartphone häufiger schon mal vergisst, dass diese Apparate ursprünglich mal erfunden wurden, um damit mobil zu telefonieren, so kann man bei Facebook auch leicht mal vergessen, dass es ursprünglich dazu gedacht war, Freunde zu treffen und sich mit ihnen auszutauschen. Viele User nutzen Facebook intensiv beruflich, so daß sich in deren Timeline kaum noch einer ihrer Freunde verirrt. Business Insider beschreibt diesen Umstand als größte Schwachstelle Facebooks. Die Timeline sei der Dreh- und Angelpunkt aller Facebook Angebote, sie sei aber so voll von (wichtigen und unwichtigen) Informationen, dass sie praktisch unter ihrem eigenen Gewicht zu kollabieren drohe. Oder anders gesagt: „Facebook is a fundamentally broken product.“

Facebook hat es also auf den ersten Blick nicht leicht dieser Tage. Und wenn es nach zwei US-Forschern der Princeton University ginge, läge das Netzwerk praktisch schon in den letzten Zügen und würde bis 2017 rund 80% seiner Nutzer verlieren. Aber zu kaum einer Studie gibt es nicht eine andere Studie, die genau das Gegenteil besagt, wenn man einfach nur die ein oder andere Grundannahme oder den Blickwinkel verändert. Von daher sei an dieser Stelle einfach der Hinweis gegeben, alle hier genannten Studien und Zahlen als Frühwarnsignale für Entwicklungen aufzufassen und sie mit den eigenen Erfahrungen abzugleichen. Wir sind dabei gerne behilflich.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>