Was ich vom Marathon für Business und Management gelernt habe

Was hat der Mythos Marathon eigentlich mit Business und Management zu tun? Als Marathon-Mann und Finisher des IWB Basel Marathons kann ich aus eigener Erfahrung sagen: zunächst einmal gar nichts, auch wenn gerne der Anschein erweckt wird. Marathon ist eine besondere Ausdauerleistung in einer Einzelsportart (Laufen). Management ist aber ein Teamsport. Doch warum werden so gerne Parallelen gesehen, warum gilt das Finishen des Marathons als Aufstieg in den Läufer-Olymp und das Vordringen in eine Leistungsklasse, die nur einigen wenigen vorbehalten zu sein scheint?

Wahrscheinlich ist es die historische Legacy, die Legende vom Boten Pheidippides, der die Strecke im antiken Griechenland zwar erfolgreich überwindet, dann aber tot zusammenbricht. Oder es sind die sportlichen Höchstleistungen, die früher wie heute damit verbunden werden. 1960 in Rom gewann ein äthiopischer Läufer (Abebe Bikila) den Marathon – barfuß. Den aktuellen Weltrekord im Herren-Marathon hat Dennis Kimetto 2014 mit 2:02:57h beim Berlin Marathon aufgestellt. Der Kölner Jan Frodeno der zum zweiten Mal nach 2015 den Ironman auf Kona in Hawaii gewonnen hat, absolvierte seinen Marathon nach 3,8 km Schwimmen und 180 km Radfahren in 2:45:34h. Ausdauerleistungen der Extraklasse und Weltrekorde, wo man hinsieht – weit jenseits dessen, was ein Normalbürger jemals erreichen kann.

Doch ist es das, was fürs tägliche Leben und das Management im Day-to-Day-Business zählt? Marathon ist ziemlich monoton, wer genügend Schritte in der Cut-off-Zeit machen kann, ist Finisher und Teil des Clubs. Dazu braucht man nicht besonders viel Brain oder Kreativität. Aber – und jetzt kommt das aber – genügend Disziplin und Durchhaltevermögen, gerne auch mentale Fitness genannt. Und klar sind fitte Manager stressresistenter und belastungsfähiger. Das sorgt als Nebeneffekt natürlich für mehr Selbstvertrauen – was bei Kunden und Mitarbeitern spürbar wird.

Es geht also um mentale Fitness und nicht nur die körperliche, denn gerade in der Endphase des Marathons ist dieser hochgradig katabol und der Körper baut sogar Eiweiß/Muskelmasse ab, um diese enorme Ausdauerleistung aufrechtzuerhalten. Kein Normalsterblicher würde sich dieser Belastung freiwillig unterziehen und sein Skelett einer Belastung von etwa 5.000 bis 8.500 Tonnen aussetzen. Doch gerade dieses Durchhaltevermögen ist oft in Projekten gefragt. Auch wenn die Teamleistung entscheidend ist: in den meisten Fällen kommt es auf (die Summe der) Einzelleistungen an und Team-Leader. Führungskräfte müssen Vorbilder sein, die den Rest motivieren und mitziehen. So wie es oft im Marathon passiert: da bilden sich spontane (Läufer-)Gruppen und das Gemeinschaftsgefühl trägt einen über gewisse Milestones – und selbst bei km 35 oder 38 (“wenn der Mann mit dem Hammer wartet”), kann ein aufmunterndes Wort eines Mitläufers Wunder bewirken.

Ein Marathon wird nicht auf den ersten 50m gewonnen. Und im Wettkampf kann nichts mehr aufgeholt werden, was an Training versäumt wurde. Es kommt also wie im Business auf gute Vorbereitung an. Nur wer gut vorbereitet ist, kann punktgenau liefern. Kreativität und Liebe zum Detail, In-sich-reinhören, all das ist bei der Vorbereitung wichtig – dazu gehört auch eine “wissenschaftliche Grundlage” und eine vernünftige Leistungsdiagnostik und vielleicht auch ein Besuch beim Arzt, um das OK für diesen 42,195km langen Lauf zu holen. Wer dann alle Ressourcen mobilisiert, kommt ins Ziel. So wie im Business.

Wichtig bei allem ist dabei natürlich die Taktik: nicht sofort alles Pulver verschießen, aber auch nicht zu langsam anlaufen – denn verlorene Zeit ist nur schwer oder gar nicht aufzuholen. Die letzten Kilometer zählen – und die will man/frau verletzungsfrei absolvieren. Das ist manchmal schwer, aber mit der richtigen Vorbereitung und dem richtigen Team klappt das. Und angesichts der o.g. enormen Belastung für Skelett und Muskulatur sind zwei Marathons im Jahr wirklich genug. Es muss aber auch kein Marathon sein, um fit und gesund fürs Business zu sein. Wer also 5km oder 10km regelmäßig läuft, ist bestimmt kein schlechterer Manager, sondern vielleicht nur der smartere Manager.

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