Donald Trump, das digitale Handelsdefizit und der globale Kampf um die Zukunft

US-Präsident Trump und Chinas Führungseliten verschärfen den Kampf der Volkswirtschaften. Es geht um viel und um die Vorherrschaft in einer Welt, die einem immer schnelleren Wandel unterliegt. Trumps Weg der Abschottung und “America First”-Strategie scheint aber nicht besonders gut überlegt zu sein.

Denn wie Christoph Bornschein im manager-magazin (Abo-/Kauf-Content) betont, ist gerade das digitale Handelsdefizit ein Beweis, daß die USA sehr erfolgreich durch und mit dem Freihandel geworden sind. Die US-Freihandelsstrategie sieht der Agenturchef als Bedrohung für Europa und seinem Appell “Die Europäer müssen zusammenarbeiten, um endlich aus der Anwenderecke zu kommen” kann man nur zustimmen. Trump und das digitale Handelsdefizit zeigt, wo Europa aufholen muss.

Indirekt spricht Bornschein den digitalen Transformationsstau an und das mangelnde Know-How in Sachen digitaler Geschäftsmodelle in Europa. Alles #Neuland? Können wir in Europa nur Verbrenner-Autos, Industrieanlagen und Chemieprodukte herstellen? Sind wir überhaupt (noch) zukunftsfähig? Fragen über Fragen.

Eines ist sicher: solange nur ein namhafter europäischer Software-Konzern (namentlich SAP) US-Giganten wie Amazon, eBay, Google, Facebook und Microsoft sowie den chinesischen Shooting-Stars wie Alibaba und Tencent gegenübersteht, dann kann und muss man sich schon fragen, wo der dringend herbeigesehnte Ausgleich der digitalen Handelsbilanzen herkommen soll. Erschwerend kommt hinzu, daß die globalen (Internet-)Märkte von Netzwerk- und Skaleneffekten bestimmt werden. Eigentlich genügt ein einziges riesiges Auktions- bzw. Warenhaus und ein einziger Zahlungsanbieter und ein einziges soziales Netzwerk als (natürliches) Monopol auf der Welt. WeChat aus China ist schon auf dem besten Weg dazu.

Während in Europa noch über Flüchtlingsfragen, zunehmende Terrorgefahr und einen Rechtsruck in vielen Mitgliedsländern debattiert wird, arbeiten die Amerikaner (mittels Dekret) und die Chinesen (mittels mehr als 10.000 Unternehmensgründungen – pro Tag) an der Vorherrschaft über den digitalen Weltmarkt. Niemand wird und kann sie aufhalten. Denn das weltumspannende, nicht-kommerzielle Datennetzwerk namens Internet ist offen für alle und schafft Zugang für Marktteilnehmer von denen vor 10 Jahren noch niemand zu träumen gewagt hätte.

Die Entwicklung in Sachen Digitalisierung geht ungebremst weiter und beschleunigt sich sogar noch – limitierender Faktor sind dabei nicht zwingend das Kapital, sondern v.a. die Talente und Köpfe dahinter. Um die geht es v.a. in Zukunft – und nicht um Abschottung und irgendwelche kruden nationalen Handelspolitiken. Denn wenn man sich das digitale Handelsdefizit ansieht und v.a. die deutschen Handelsüberschüsse im Investitonsgüterbereich, bei Autos und Chemie, dann sollte klar werden, dass Trump die Theorie komparativer Kostenvorteile nicht verstanden hat (er ist eben – wenn überhaupt – BWLer und nicht VWLer).

Globale Arbeitsteilung schafft Vorteile und einen Mehrwert für alle Beteiligten (nicht Nachteile) und das war v.a. immer so und das war auch Amerikas Erfolgsrezept. Wer jetzt seine Märkte durch Abschottung sichern möchte, wird Schiffbruch erleiden, weil er seine heimische Wirtschaft nur noch mehr isoliert und vor dringend notwendigem Wettbewerb schützt. Wenn man dann auch noch Arbeitsvisa für die Brains und Goldesel von Google und Facebook abschafft, wird es ganz heikel.

Ja, eigentlich müsste Europa jetzt zusammenrücken, aufstehen und alle diese Talente aufnehmen und sie mit Stipendien versorgen, damit sie hier Unternehmen gründen und Arbeitsplätze schaffen können. Ich denke China hat das schon lange verstanden, wer einmal in Shenzen z.B. im HAX war, weiß wovon ich rede. In Shenzen fährt heute schon kein Verbrenner-Roller mehr und die Ingenieure von NextEV/Nio arbeiten mit dem EP9 (1 Megawatt/1360 PS Leistung) an den autonomen Fahrzeugen der Zukunft, von denen Audi, BMW und Mercedes sowie VW inkl. Porsche leider nur träumen können. Hier entsteht die Zukunft und mit diesen Technologien werden Rekorde auf der Nürburgring-Nordschleife und in Austin, Texas (schnellste autonomes Elektroauto der Welt) aufgestellt. Höchste Zeit für Europa, in vielen Bereichen und Branchen aufzuwachen.

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