Die wichtigsten Social-Media-Trends 2017

Der Run auf die Social Media Channels ist ungebrochen. Doch nicht nur die Anzahl der Nutzer von sozialen Medien steigt stetig, auch die Netzwerke selbst verändern sich kontinuierlich.

1. Mobile

“Mobile first” lautet die Devise bei besonders innovativen Unternehmen. Schon längt fristet Mobile kein Nischendasein mehr – ganz im Gegenteil. Die Nutzeranzahl und auch die Nutzungsdauer wachsen immer weiter. So ist die Nutzungszeit des mobilen Internets mittlerweile höher als die des Internets auf Desktop-Lösungen. Auch der Google Such-Index für Mobile wird zukünftig als Hauptindex vor der Desktop-Variante verwendet werden. Dies ist auch darauf zurückzuführen, dass mittlerweile über 50 % der Suchanfragen bei Google über Mobile eingehen.

Dementsprechend wird es unumgänglich werden, die eigenen Web-Angebote in Richtung Mobile zu optimieren. Eine gute mobile Umsetzung des eigenen Angebots und Mobile-SEO werden zunehmend wichtiger, wenn man nicht auf lange Sicht an Reichweite verlieren möchte.

2. Reichweite sinkt ohne Interaktionen

Content, der nicht zu Interaktionen führt, gilt als tot. Die Möglichkeiten, mit organischem Content Reichweite zu generieren, werden zudem immer geringer. Der neue Newsfeed-Algorithmus von Facebook beispielsweise behandelt die Aktionen von Freunden bevorzugt, so dass die Sichtbarkeit für organischen Content von Unternehmen zurückgehen wird. Somit scheint es auf den ersten Blick, also könne Reichweite künftig nur noch mit bezahlten Platzierungen erreicht werden. Wer bezahlt, wird gesehen, geliked und geshared.

Doch es gibt auch Alternativen: Da Interaktionen bevorzugt behandelt werden, gilt es, Inhalte zu posten, die User zu Reaktionen (Shares, Likes etc.) animieren. Interaktive Aktionen, zielgruppengerechte Inhalte und Einladungen zu Feedback sind künftig der Schlüssel zum Erfolg. Der Aufwand für die Erstellung und Pflege derartiger Inhalte ist natürlich ungleich höher und damit teurer.

Demnach werden sich einige Unternehmen, bei denen eine derartig aufwändiger Content nicht möglich ist und die nicht bereit sind, für Platzierungen im Newsfeed Geld auszugeben, in Zukunft die Frage stellen müssen, ob Social Media für sie langfristig sinnvoll bleibt. Eine mögliche Folge könnte sein, dass Growth Hacking, E-Mail-Marketing via Newsletter und vor allem SEO-Maßnahmen künftig noch mehr im Fokus der Vermarktungsstrategien stehen werden.

3. Live-Videos

Nach dem wahnsinnigen Erfolg von YouTube und dem Video-Streaming generell steht nun, gut zehn Jahre später, die nächste Video-Revolution an. Nachdem Twitter es mit dem Kauf von Periscope vorgemacht hat, bietet nun auch Facebook die Möglichkeit, live Videos aufzunehmen und zu streamen. Mit großem Erfolg. Der Clou dabei: Die Kommunikation findet hier nicht mehr einseitig, sondern vielmehr bidirektional statt. Hier fliegen die Likes und Herzchen nur so.

Die Zuschauer haben zudem nun die Möglichkeit, die Inhalte live zu kommentieren und die Streamenden können darauf wieder unmittelbar Bezug nehmen. Dies ist ein Beispiel für interaktiven Content und Feedback-Möglichkeiten, die bereits oben erwähnt wurden. Durch die direkte Kommunikation und die Tatsache, dass die Videos in unbearbeiteter Form direkt zum Zuschauer gelangen, wird außerdem ein Gefühl von Transparenz und Glaubwürdigkeit geschaffen.

Generell führt ein hohes Engagement der User auch zu einer höheren Bindung, die durch geschickt platzierte Live-Videos beispielsweise von Firmen-Events oder mithilfe von Influencern für weiteres Marketing genutzt werden können. Hier gibt es viele Möglichkeiten zur Interaktion, die man in Zukunft nutzen sollte.

4. Chatbots & andere KI-Anwendungen

Mittlerweile erfreuen sich die digitalen Assistenten à la Cortana, Alexa, Siri, Google Assistant & Co. immer größerer Beliebtheit, und auch ihre Leistungsfähigkeit steigt stetig. Hierbei handelt es sich um intelligente Sprachassistenten, die lernfähig sind und mit dem Anwender in Interaktion treten, diesen unterstützen oder ein Gespräch simulieren, ohne dass ein weiterer Mensch daran beteiligt ist.

Immer mehr Firmen stellen nun künstliche Intelligenzen vor, und seit der Integration von Chatbots in den Facebook-Messenger nehmen diese nun weiter Einzug in die Leben der Endverbraucher. Besonders für den Kunden-Support erschließen sich hier ganz neue Möglichkeiten. Es ist davon auszugehen, dass KI als Mittel der Effizienzsteigerung zunehmend genutzt werden wird.

5. Direkte Ansprache & Automatisierungen

Immer mehr Bereiche des Marketings spielen sich mittlerweile digital und auf der Basis von Massendaten (Big Data) ab. Der Vorteil, dass eine Vielzahl an Daten gewonnen wird, geht damit einher, dass sich ebendiese Daten auch automatisiert auswerten lassen. Dementsprechend erfreuen sich digitale Marketing-Tools und Auswertungsautomatismen zunehmender Beliebtheit. Auch hier steht die Effizienz, mit der sich Big Data analysieren und nutzen lässt, im Fokus.

Der Trend wird v. a. in die Richtung gehen, dass immer mehr Inhalte und Ansprachen personalisiert auf die Anwender und ihre Interessen zugeschnitten werden. All dies kann automatisch passieren und steigert die wahrgenommene Relevanz der Angebote für die Verbraucher. Durch das Überangebot von Werbung wird somit ein Alleinstellungsmerkmal geschaffen und die Werbung nicht mehr zwangsläufig als solche wahrgenommen. Facebook schaltet bereits schon länger personalisierte Werbung und wendet Retargeting-Strategien an, um die Reaktanz der User gering zu halten. Dies scheint eine sinnvolle Maßnahme zu sein, und generell ist in der Zukunft davon auszugehen, dass mit derartigen Mitteln die Aufmerksamkeit der Nutzer erhöht wird.

6. Zeitlich begrenzter Content

Snapchat hat es vorgemacht. Content, der vergänglich ist und ein Verfallsdatum hat, wird unter Umständen eher rezipiert, als solcher, der für die Ewigkeit gedacht ist. Gerade das Prinzip, dass man als Nutzer quasi selbst hinterher sein und sich die Zeit dafür nehmen muss, um alles mitzubekommen, führt zu einem größeren Engagement und einer höheren Kundenbindung. Der Kunde informiert sich somit regelmäßig, um ja nichts zu verpassen.

Dem Beispiel von Snapchat folgte nun auch Instagram mit den Instagram Stories, die nach 24 Stunden verschwinden. Für das kommende Jahr wird weiterhin eine zunehmende Verbreitung dieser Content-Strategie erwartet.

7. Dark Social

Wie bereits erwähnt, gehen mit dem Online-Marketing und der damit verbundenen Messbarkeit des Erfolgs einzelner Maßnahmen viele Vorteile einher. Diese können allerdings nicht flächendeckend genutzt werden. Der Grund: Dark Social. Die Rede ist hier von einer Teilmenge der Aufrufe bzw. der Reichweite, die sich nicht zurückverfolgen lassen und dementsprechend auch nicht komplett ausgewertet werden können, weil sie beispielsweise auf per verschlüsselter Messaging-Software versandte Links zurückzuführen sind. Dies gestaltet die Auswertung und Optimierung der einzelnen digitalen Marketingkanäle zunehmend schwieriger.

Tendenziell ist Dark Social auch nichts Negatives, im Gegenteil: da wo kräftig geteilt und Content geshared wird, findet ja auch Interaktion und Kommunikation statt. Eine mögliche Teillösung für Dark Social sind zudem Share-Buttons, um den Content direkt über entsprechende Kanäle zu teilen. Auf diese Weise lässt sich die Reichweite via Dark Social teilweise messen, aber die Herkunft des Traffics bleibt weiterhin im Dunklen.

8. (Key) Influencer

Blogger war gestern, heute ist man Influencer. Die nichtkommerzielle Blogger-Szene ist zu einem Eldorado aufmerksamkeitsstarker Marketing-Selbstdarsteller gewichen, die ihren Preis genau kennen. Aufgrund der o.g. Trends wie z.B. der abnehmenden Reichweite von organischem Content wird die Wichtigkeit von Influencern auch im kommenden Jahr weiterzunehmen.

Sie geben Firmen einerseits die Möglichkeit, von ihrer Reichweite zu profitieren, und schaffen andererseits Vertrauen für die beworbenen Produkte und Marken, da sie meist auf eine treue und engagierte Fangemeinde zurückgreifen können. Bei dem Überangebot von Dienstleistern und Reizen bieten sie außerdem eine willkommene Möglichkeit, aus dem Einheitsbrei herauszustechen. Bindet man die Influencer in interaktive Aktionen ein, so lassen sich sogar Restriktionen wie der Facebook Newsfeed-Algorithmus zum eigenen Reichweitengewinn gegenüber der Konkurrenz nutzen.

9. Virtual Reality & Augmented Reality

Hier stehen wir zwar nicht mehr am Anfang, aber die Akzeptanz steigt. Die virtuelle und auch die erweiterte Realität werden zunehmend präsenter in der aktuellen medialen Berichterstattung, obwohl bisher noch nicht wirklich viel von diesen beiden Technologien zu sehen ist. Besonders im Bereich Virtual Reality (VR) beschränkte sich die Verwendung bisher in erster Linie auf 360°-Videos bei Facebook und YouTube.

Für die Zukunft gilt es, weitere Anwendungsfelder auch fernab des Gamings zu erschließen, die für den Endverbraucher von Interesse sind. Die aktuelle Variante, in der Anwender mit großen Head-Mounted Displays VR-Anwendungen ausschließlich zu Hause nutzen, wird wahrscheinlich nicht der einzige Verwendungsbereich bleiben.

10. Vertrauen und Transparenz

Ein immer wichtiger werdender Punkt – nicht nur in den sozialen Medien, sondern generell im ganzen Web – bleibt das Vertrauen. Dieses wird sich zunehmend zur zentralen Ressource in der Markenkommunikation und im Marketing entwickeln. Durch personalisierte Ansprachen, individuellen Content, der für den User von Relevanz ist, und den geplanten Einsatz von Influencern (Influencer Marketing) lässt sich Vertrauen generieren.

Aber auch Transparenz spielt hier eine große Rolle. Dadurch dass jeder User mittlerweile dazu in der Lage ist, mit wenig Aufwand öffentliches Feedback zu geben, wird die Transparenz und auch die Bezugnahme auf derart vorgebrachte Kritik immer wichtiger. Durch Transparenz und den ernsthaften Umgang mit Kritik kann somit ein Gefühl von Vertrauen geschaffen werden, das Unternehmen auf lange Sicht einen Vorteil gegenüber ihren Mitbewerbern verschaffen wird. Zudem bietet Kritik die Möglichkeit, sich zu verbessern und vom Wettbewerb abzusetzen. Der Kunde ist der beste Unternehmensberater – und er arbeitet meist sogar kostenlos. Belohnen sie öffentliches Feedback und erwarten sie nicht immer nur positive Meinungen und Bewertungen – manchmal sind nämlich gut gemeinte, kritische Hinweise der Auslöser dafür bestimmte Dinge ganz neue und anders zu sehen. Ergreifen Sie diese Chance und nehmen sie Kritik als Anlass darüber nachzudenken, was sie anders bzw. besser machen können. Wandel.

 

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