Strategische Innovation: intern oder extern – wo werden Innovationen eigentlich geschaffen?

Was lassen sich deutsche Unternehmen einfallen, um die digitale Transformation ihres Geschäfts erfolgreich anzugehen? Dieser Frage widmet sich eine Studie der TU München im Auftrag der HypoVereinsbank. Während im Silicon Valley gern neu und groß gedacht wird, bevorzugen Ingenieure, Designer und Entwickler zwischen Flensburg und Füssen den Fortschritt in eher niedriger, aber steter Dosierung.

Die Befragung der HypoVereinsbank zeigt: Mehr als zwei Drittel der deutschen Führungskräfte beschreiben den Digitalisierungsprozess in ihrem Unternehmen eher als inkrementell, also durch aufeinanderfolgende Schritte geprägt. Weniger als ein Drittel spricht von Disruption, also der schlagartigen Abkehr von bisherigen Geschäftsmodellen oder Produkten, um mit dem „next big thing“ richtig abzuräumen. Es ist wie der Gang über ein Drahtseil zwischen zwei steilen Felsklippen: Wie viel Risiko ist möglich, um es schnell auf den Gipfel zu schaffen – und wie viel Sicherheit nötig, um nicht in den Abgrund zu stürzen?

Um nicht von neuen Playern vom Markt gedrängt zu werden – siehe Amazon und der traditionelle Versandhandel – gehen viele etablierte Unternehmen Kooperationen mit Start-ups ein. Mehr als die Hälfte der Firmen, für die die Befragten arbeiten, schlagen diesen Weg ein. Doch die Kooperation mit Start-ups läuft nicht immer reibungslos ab.

Was die Zusammenarbeit zwischen Start-ups und schon länger am Markt tätigen Unternehmen oftmals erschwert, sind die unterschiedlichen Geschwindigkeiten: langwierige Abstimmungsprozesse auf der einen Seite, agile Arbeitsmethoden auf der anderen. Start-ups suchen Partner, die sie weiterbringen, nicht sie bremsen. Zehn im Rahmen der HVB-Studie ebenfalls befragte Gründerinnen und Gründer fordern daher, dass etablierte Unternehmen ihre Entscheidungsgeschwindigkeit erhöhen.

Doch wo entstehen eigentlich die von allen ersehnten Innovationen eigentlich? Kann man sich diese “Entdecker- und Erfinder-Fähigkeiten” nicht einfach selbst zulegen statt sie teuer einzukaufen? Ein Blick in die deutsche Unternehmenslandschaft zeigt: bei der Entwicklung neuer Produkte offenbaren sich oft die eklatantesten Unterschiede zwischen Traditionsunternehmen und den digitalen Aufsteigern.

Bildschirmfoto 2018-11-13 um 08.36.16

Rund ein Viertel der Befragten gab an, dass bei ihren Unternehmen der Kunde nicht in die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen einbezogen wird. Wenn deutsche Unternehmen ihre Kunden überhaupt zu neuen Erzeugnissen befragen, dann erst am Ende des Entwicklungsprozesses. Die Folge: Die Entwicklung könnte am Kunden vorbeigehen.

Start-ups gehen in der Regel einen anderen Weg: Schon zu Beginn des Entwicklungsprozesses beziehen Sie Kundendaten ein, um nicht in eine falsche Richtung zu arbeiten. Ziel ist nicht, ein vollkommen fertiges Endprodukt zu schaffen, sondern eine funktionale Basisversion, auch „Minimum Viable Product“ (MVP) genannt. Mithilfe des Feedbacks darauf lässt sich dann eine verbesserte Version entwickeln, die alle Bedürfnisse des Kunden berücksichtigt.

Es fehlt also an grundsätzlichen Fähigkeiten und am Kundenfokus. Jedes zweite Unternehmen tüftelt ausschließlich in der internen Forschung und Entwicklung an Innovationen. Open Innovation – also die Öffnung von Entwicklungsprozessen zur Vergrößerung des Innovationspotenzials – dagegen findet man in der deutschen Wirtschaft eher selten. Dabei sind z.B. Methoden der Lead-User-Innovation oder die Arbeit mit Kunden-Communities sehr erfolgreich.

Ein weit verbreitetes Beispiel sind nutzergenerierte Inhalte (“user-generated content”) die nach dem AAL-Prinzip erzeugt werden und einen deutlichen Mehrwert für die Community bedeuten. Das Schnäppchenportal MyDealz hat z.B. einen neuen Weg gefunden, um seine Community dazu zu animieren, noch mehr und bessere Deals zu posten. Das Unternehmen dahinter, die Pepper.com-Gruppe, vergütet einige seiner rund 850.000 Mitglieder ab sofort für besonders informative Beiträge. Im ersten Jahr will Pepper.com so immerhin eine Million Euro in sein neugeschaffenes „Pepper Expert Programm“ investieren.

open_innovation_abb2

Das Neue ist aber stets ein Risiko und bedeutet eine innovative Störung gewohnter Abläufe. Dafür muss man offen und bereit sein. Auch hier bedarf es noch dringenden Handlungsbedarfs. Jedes zweite in der Studie einbezogene Unternehmen geht keine Risiken ein, um mit Innovationen zu experimentieren. Nur ein gutes Viertel der Befragten sprechen ihren Arbeitgebern eine gewisse Experimentierfreude zu. Die große Frage ist, ob die Unternehmen so im Wettbewerb um Innovationen mithalten können – oder ob sie von einem heute noch unbekannten Player überholt und abgehängt werden.

Die komplette Studie zur digitalen Transformation 2018 finden Sie hier zum Download.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>