Alle reden von “Disruption” – aber was ist das eigentlich?

“Disruption” ist heute ein oft verwendeter Begriff, der mit seinem leicht umstürzlerischen Beiklang einen Hauch von Revolution und Unruhe mit sich bringt. Die wörtliche Übersetzung des Adjektivs aus dem Englischen lautet: unterbrechend, störend, zerstörend, zerstörerisch, zerreißend. Kein Unternehmen möchte Opfer dieser sagenumwobenen zerstörerischen Kraft werden und über Nacht wie die einstigen Giganten Kodak, Nokia oder Quelle vom Markt gefegt werden. Doch was ist genau mit Disruption im Business-Kontext gemeint, wie zeigt sich dieses Phänomen und was können etablierte Unternehmen zu ihrem Schutz ausrichten?

Fragen wir doch einen Experten in diesem Bereich, Prof. Clay Christensen (Harvard Business School). Er erklärt in diesem Video anhand von Beispielen, was disruptive Innovation ist, wo der Unterschied zu einer “breakthrough innovation” liegt und was eine disruptive Innovation in Beziehung auf den Markt bewirkt.

Zunächst einmal bleibt festzuhalten: bei dem Begriff “Disruption” geht es um disruptive Innovation. Es geht um die Entwicklung von etwas Neuem. Einem neuen Produkt oder Service. Aber es geht nicht darum, lediglich ein gutes und tolles neues Produkt oder Service zu erfinden. Dieses Produkt existiert bereits und ist zunächst so komplex, teuer und nur wenige Menschen haben Zugang dazu. Durch die Disruption wird es für die breite Masse zugänglich und erschwinglich. Die Folge: es entstehen neue Märkte mit neuen Kunden.

Ein gutes Beispiel ist die Entwicklung der Computerindustrie. Zuerst entstand der millionenteure Mainframe, dann der Mini- zum Desktop-Computer und heutigen Smartphone. Diese Wellen der Innovation sind schwer zu surfen. Daher auch die “Elefanten-Friedhöfe” der Unternehmen, die schlichtweg diese Entwicklung(en) verschlafen haben. Strategische Innovation ist daher so wichtig – sie trägt zum Weiterbestand des Unternehmens bei.

Prof. Clay Christensen erläutert auch noch einen weiteren Aspekt (Motto: “Wie ich Andy Grove beibrachte zu denken”): wir lehren Menschen und Studenten an den Unis, datengetrieben und faktenbasiert zu denken und zu entscheiden. Doch Daten sind nur in Bezug auf die Vergangenheit verfügbar. Wir verurteilen Menschen daher regelrecht dazu, Handlungen zu vollziehen, wenn das Spiel vorbei ist. Die einzige Möglichkeit in die Zukunft zu sehen – eben weil es keine Daten gibt – ist eine (gute) Theorie. Man sieht dann die Zukunft durch die Linse der Theorie so viel klarer. Das ist das, was die Theorie der disruptiven Innovation getan hat. Es geht also eher um eine Erklärung als um eine Revolution.

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