Künstliche Intelligenz: China, USA oder Deutschland – wer ist führend?

China will bis 2030 führend im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) werden. Auf der Weltkonferenz für künstliche Intelligenz in Shanghai machen China und die USA die Zukunft unter sich aus – von Deutschland oder Europa so gut wie keine Spur. Höchste Zeit also, sich einmal die weltweit führenden Player genau anzusehen. Klar ist: zwischen den Vereinigten Staaten und China läuft ein Wettlauf darum, wer Künstliche Intelligenz (KI) schneller entwickelt und auf mehr Feldern in praktische Anwendungen überführen kann.

Eric Schmidt, lange Jahre Chef des Tech-Konzerns Google und immer noch Vorsitzender des Innovations-Beirats des amerikanischen Verteidigungsministeriums, mahnte schon im vergangenen Herbst: Wenn Amerika nicht mehr unternehme in der KI, werde das Land noch „über die nächsten fünf Jahre führend bleiben“, bevor China „extrem schnell“ aufholt. „Sie (die Chinesen) sind dabei, diese Technologie für kommerzielle und militärische Ziele zu verwenden, mit allen möglichen Folgen.“

Manager wie Dong Tao (Credit Suisse) ist davon überzeugt, dass China am Ende in dieser Technologie dominieren wird. So sagte es der Manager der Credit Suisse in Asien gerade während einer Investorenkonferenz in Hongkong, berichtet der Finanzsender CNBC. Und er nennt auch einen konkreten Grund: In China gebe es keinen ernsthaften Datenschutz, dadurch seien die Unternehmen ziemlich frei. „Ich sagte nicht, dass die chinesischen Unternehmen besser sind als die amerikanischen Unternehmen. Ich sagte nicht, dass die chinesischen Ingenieure besser sind als die amerikanischen Ingenieure. Was China groß machen wird in der Künstlichen Intelligenz und in Big Data, das ist: In China gibt es kein ernsthaftes Gesetz, das Daten schützt.“

Als Beispiel nannte er die zum Tech-Konzern Tencent gehörende App WeChat. „Sie verarbeitet 7 Milliarden Fotos am Tag – das ist eine massive Daten-Quelle. Sie werden einen Vorsprung in Bilderkennung haben.“ Die Regierung in Peking wiederum hat noch ambitioniertere Pläne: Sie plant, in den kommenden Jahren landesweit einen Sozial-Score einzuführen, der sich aus dem Verhalten eines Chinesen ableitet. Der Überwachungsstaat als Treiber von KI?

Tatsächlich sind die Voraussetzungen für Fortschritte in der KI in China generell gut, denn: Der Markt ist riesig. Von den ungefähr 1,4 Milliarden Chinesen nutzen 800 Millionen regelmäßig das Internet, der Markt für digitales Bezahlen ist beispielsweise fünfzig Mal so groß wie der amerikanische. Ein enormer Vorsprung den die Chinesen zu nutzen wissen. Mit immer neueren und smarteren KI-Anwendungen.

Und was tut Deutschland? Die Bundesregierung hat auf ihrer zweitägigen Klausur am Hasso-Plattner-Institut in Potsdam zur Aufholjagd in der Digitalisierung und der Künstlichen Intelligenz geblasen. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) kündigten zum Abschluss an diesem Donnerstag an, dass die Bundesregierung bis zum Jahr 2025 drei Milliarden Euro für die Künstliche Intelligenz (KI) zur Verfügung stellen und 100 KI-Professuren schaffen wolle.

„Deutschland ist nicht Weltspitze, in einzelnen Bereichen vielleicht, aber längst nicht in allen“, sagte Merkel über die Künstlichen Intelligenz, mit der selbst lernende, autonome digitale Systeme möglich werden (sollen). „Made in Germany“ solle auch in der KI ein Markenzeichen werden. Dafür werde die Bundesregierung zusätzlich viel Geld in den Ausbau der digitalen Infrastruktur und die Weiterbildung von Beschäftigten stecken. In den vergangenen Jahren hatte es Kritik am schleppenden Ausbau leistungsfähiger digitaler Netze in Deutschland gegeben.

Die Kanzlerin zeigte sich zuversichtlich, dass es der Bundesregierung auch gelingen werde, 100 KI-Professuren einzurichten. Natürlich könne man nicht mit den Gehältern etwa der großen amerikanischen Internetunternehmen konkurrieren. Aber im Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes gebe es bereits Öffnungsklauseln für „attraktive Angebote“. Sie mache sich keine Sorge darüber, genügend KI-Experten zu finden. Ein Vorteil Deutschlands seien die sehr verlässlichen Rahmenbedingungen für Forscher, weil die außeruniversitären Einrichtungen wüssten, dass die Bundesregierung die Finanzierung jährlich um drei Prozent steigere.

Die KI-Forschung in Deutschland konzentriert sich auf wenige Standorte und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, heißt es in dem Jahresgutachten zu Forschung, Innovation und technologischer Leistungsfähigkeit Deutschlands der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI). 23,8 Prozent – also rund ein Viertel der im Zeitraum 2007 bis 2016 betrachteten Proceedings-Beiträge, kommen z.B. aus dem Raum Tübingen/Stuttgart. Damit nimmt die Region im Südwesten mit Abstand den Spitzenrang für KI-Forschung in Deutschland ein.

Das Cyber Valley ist eine der größten Forschungskooperationen Europas aus Wissenschaft und Wirtschaft auf dem Gebiet der künstlichen Intelligenz. Gefördert durch das Land Baden-Württemberg entstehen mit Cyber Valley neue Forschungsgruppen sowie Universitätslehrstühle auf den Gebieten Maschinelles Lernen, Robotik und Computer Vision. Neben den zunächst zehn Forschungsgruppen entstehen zehn neue Universitätslehrstühle an den Universitäten Stuttgart und Tübingen. Auch eine neue Doktorandenschule, die International Max Planck Research School for Intelligent Systems (IMPRS-IS), ist dem Cyber Valley angeschlossen. An dem Forschungsverbund beteiligt sind die Max-Planck-Gesellschaft, die beiden Universitäten Stuttgart und Tübingen, das Land Baden-Württemberg sowie die Unternehmen Amazon, BMW AG, Daimler AG, IAV GmbH, Porsche AG, Robert Bosch GmbH und ZF Friedrichshafen AG.

Das Land Baden-Württemberg baut die Forschung zur Künstlichen Intelligenz an den Landesuniversitäten aus: Mit 6 Millionen Euro finanziert das Land insgesamt 10 Juniorprofessuren mit Ausstattungen im Bereich Methoden und Anwendungen der Künstlichen Intelligenz (KI) an den Universitäten Freiburg, Heidelberg, Hohenheim, Konstanz, Mannheim, Ulm und am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Damit verbreitert das Land die KI-Forschungsförderung über die bisherigen Zentren hinaus und ergänzt das erfolgreiche Cyber Valley im Raum Stuttgart/Tübingen.

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