Drohnen im Baugewerbe: 3D-Modelle liefern ein genaues Abbild der Realität

Informationen sind das Öl des 21. Jahrhundert. Das gilt genauso für das Baugewerbe, wo die richtigen Daten einen entscheidenden Unterschied machen. Genaueste Abmessungen des Baugrundes, von Flächen, Steigungen, Winkeln, Abständen und vom aktuellen Baustand sind grundsätzlich unerlässlich. Doch bis heute ist es üblich, im Vorfeld und während der Bauarbeiten das gesamte Gelände zu begehen und manuell zu vermessen.

Mit einer Drohne gelingen derartige Prozesse aus der Vogelperspektive deutlich schneller und einfacher. Mit ihren präzisen und flexiblen Flugeigenschaften kann sie elegant über den Baugrund schweben, ohne dass sie von Aspekten wie Geländebeschaffenheit, Material oder Baumaschinen beeinträchtigt wird. Darüber hinaus können erheblich mehr Daten erhoben und im Anschluss zur Analyse herangezogen werden. HD-Videoaufnahmen sind schon mit Hobbymodellen aus dem Elektrohandel möglich. Doch moderne Industriedrohnen sind weit leistungsfähiger und können bis zu 2,5 Kilogramm Traglast aufnehmen. Zudem kann an ihnen auch ein noch umfangreicheres Kamera- und Mess-Equipment angebracht werden. Die Computertechnik ermöglicht es heute, mit Drohnen hochgenaue 3D-Modelle (Punktwolken) zu erfassen.

„Die Drohnen, die wir verwenden, sind bei guten Wetterverhältnissen in der Lage, eine Geschwindigkeit von bis zu 60 Stundenkilometer zu erreichen und sie können mit einer Akkuladung zwischen 20-25 Minuten in der Luft bleiben. An einem Tag können so rund 40 Hektar erfasst werden – das sind mehr als 40 Fußballfelder“, erklärt Holger Boxnick, Divisionsleiter bei Actemium. Über hochauflösende Bilder können die Verantwortlichen etwa die Baupläne und Realbilder direkt miteinander vergleichen. Mittels 3D-Punktwolken ist das gesamte überflogene Gelände nach der Messung auch als dreidimensionales Modell erhältlich. Der Clou: Höhenunterschiede und selbst Volumina etwa von Aufschüttungen oder ausgehobenen Gruben können mit wenigen Klicks angezeigt werden. Die Bauleitung kann dadurch etwa genaue Werte über die noch vorhandenen Bestände an Füllmaterialien erhalten.

Der kurze zeitliche Aufwand für einen einzigen Messvorgang bietet zudem die Möglichkeit, an einem einzigen Tag gleich mehrere Flüge durchzuführen, um unterschiedliche Messungen vorzunehmen. Während beispielsweise beim ersten Überflug Realbilder entstehen, kann für einen zweiten Einsatz die Kamera gewechselt werden, um thermische Aufnahmen des Geländes durchzuführen. Stromführende Leitungen oder andere wärmeabstrahlende Leitungssysteme sind dann auf den Aufnahmen sofort sichtbar. Das Bildmaterial kann im Anschluss digital über die vorliegenden Planunterlagen gelegt und so miteinander verglichen oder ergänzt werden. Dazu zählt auch der Abgleich mit CAD-Modellen. Die Kommunikation zwischen den Teams vor Ort und den Mitarbeitern im Büro gestaltet sich dank des Zugriffs auf die digitalen Aufnahmen erheblich effizienter.

Es ist nicht nur der weiter anhaltende Bauboom der letzten Jahre, der dafür sorgt, dass neue Technologien in der Branche Einzug halten. Zeit- und damit Kostenersparnisse sowie eine Vielzahl an Daten zur Analyse und Kontrolle von Baumaßnahmen sind bereits gute Argumente, um Drohnen derzeit einzusetzen. So erfolgen Vermessungen des Bauplatzes mittels Drohnen erheblich schneller und genauer, und dank 3D-Punktwolken erhalten die Planer eine digitale Version des Geländes. Im Büro können sie dann anhand einer exakten Nachbildung noch bessere und langfristigere Entscheidungen treffen.

In absehbarer Zukunft werden durch die fortlaufende Digitalisierung noch weit mehr Möglichkeiten für den Einsatz der Technik bestehen – insbesondere bei umfassender WLAN-Verbindung und Live-Auswertung. Denkbar wäre es beispielsweise, Gefahrenbereiche zu überwachen, die Bilder softwaregestützt zu analysieren und bei Abweichungen automatisch Alarm zu schlagen. Mit Hilfe künstlicher Intelligenz kann die Auswertung der Daten in Zukunft deutlich effizienter gestaltet werden. Hier arbeiten Eurovia und Actemium gemeinsam an einer Lösung. Auch im Falle von Bestandsbauten bieten die unbemannten Fluggeräte großes Potenzial, um Inspektionen von schwer zugänglichen Bereichen im Hochbau durchzuführen. Hier liegt es am Gesetzgeber, die richtige Balance zwischen Sicherheit und den technischen Möglichkeiten auszuloten.

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>