18 Jan

Googles Suchalgorithmus angeblich nicht neutral: Verleger legen Kartellamts-Beschwerde gegen Google ein

Die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger gehen beim Bundeskartellamt gegen Google vor. Der Vorwurf: Googles Suchalgorithmus sei nicht neutral und bevorzuge z.B. eigene Inhalte des Suchmaschinenkonzerns. Doch es geht auch um Erträge aus der Suchmaschinenvermarktung: dem Vernehmen nach kritisieren die Verlegerverbände, dass Google für die Anzeige der Suchtreffer, der sogenannten “Snippets”, den Verlagen nichts bezahlt.

Google als Parasit? Dem ist nicht so, denn Google sorgt ja nicht nur für enormen Traffic auf vielen Seiten, sondern zahlt auch aus:

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) hatte von Google im Internet eine faire Suche und Beteiligung gefordert. “Wir wollen wissen, wie gelistet wird und warum welches Angebot oben in der Ergebnisliste steht, und wir wollen an den Werbeeinnahmen, die mit unseren aufwendig hergestellten Qualitätsinhalten generiert werden, beteiligt werden”, hatte ein BDZV-Referent Ende November 2009 in einem dpa-Gespräch gesagt. Google verdiene über Werbung, die bei einer normalen Suche neben den Ergebnissen platziert wird, in Deutschland rund 1,2 Milliarden Euro jährlich. Google-Sprecher Oberbeck wies darauf hin, dass der US-Internetkonzern 2009 weltweit 4,2 Milliarden Euro an Verleger gezahlt habe.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt aber: denn solange der Suchalgorithmus “closed source” ist, wird niemals jemand erfahren wie die Suchtrefferlisten bzw. SERPs erstellt werden. Desweiteren ist das Auktionsverfahren mit all seinen Parametern wie z.B. dem vieldiskutierten Quality Score ein Buch mit sieben Siegeln. Google hat hier die Macht die beim Kunden erzielbaren Höchstpreise voll auszuschöpfen und so seine Gewinne zu maximieren.

Dabei gibt Google nur einen sehr geringen Anteil seiner Umsätze an seine Content Partner ab. Man braucht nur in die entsprechenden SEC Statements zu sehen und sich den Posten TAC (Traffic Acquisition Costs) anzusehen. Geschätzte 30% gibt Google dafür aus – 70% behält das Unternehmen. Daher kommt auch die hohe Operating Marge von über 30%.

Zahlen von denen Verleger oft nur träumen können und die zeigen, welche Motivationen natürlich im Hintergrund immer mit in die Analyse einbezogen werden müssen. Eines ist sicherlich klar: Google wird in Zukunft nicht mehr so weitermachen können wie in der Vergangenheit und wenn das Unternehmen Pech hat, blüht ihm eine 2. Karriere Microsoft.

Noch ist es allerdings noch nicht so weit, aber man darf gespannt sein, welche Stellungnahmen des Bundeskartellamts nun folgt und ob ein förmliches Verfahren gegen Google eingeleitet wird.